Die Gründerin

Ghiga von Smiechowska

(1932–2017)

Ghiga von Smiechowska gründete 1986 die StudienHilfe und leitete sie über drei Jahrzehnte. Durch ihr Engagement wurden tausende angehende Waldorflehrerinnen und Waldorflehrer in ihrer Ausbildung gefördert.

Herkunft und Jugend

Ghiga von Smiechowska wurde am 28. September 1932 in Krakau geboren. Sie wuchs als zweite Tochter einer polnischen Fabrikantenfamilie auf einem Landgut in der Nähe von Zakopane auf. Deutsche Kindermädchen legten den Grund für ihre Zweisprachigkeit; das Deutsche wurde neben dem Polnischen zu ihrer Muttersprache. Später erlernte sie Englisch, Französisch, Italienisch und Latein.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs floh die Familie nach Österreich und ließ sich in Strobl am Wolfgangsee nieder. Dort erhielt Ghiga von Smiechowska durch Privatunterricht bei Universitätsprofessoren eine fundierte humanistische Bildung. In Salzburg absolvierte sie die Matura.

Berufliche Jahre

Nach dem Schulabschluss arbeitete Ghiga von Smiechowska zunächst als Lernschwester im Salzburger Landeskrankenhaus, dann beim Stadtverkehrsbüro Salzburg. Dort lernte sie den Schriftsteller und Publizisten Wolfram von Zastrow (1909-1975) kennen, der ihr Lebenspartner wurde. Als Redakteurin folgte sie ihm nach München zur Kulturzeitschrift „Edition Festival“, wo sie in Kontakt mit der europäischen Kunst- und Kulturwelt kam.

Wolfram von Zastrow, selbst Waldorfschüler der ersten Stunde in Stuttgart und Sohn einer Anthroposophin, machte Ghiga von Smiechowska mit dem Werk Rudolf Steiners vertraut. Nach seinem Tode führte sie die gemeinsam gegründete Lebensmittelfirma weiter und zog ihre beiden Kinder auf, die Waldorfkindergarten und Waldorfschule besuchten. In dieser Zeit begann auch ihre lebenslange Begeisterung für die Eurythmie, der sie sich, wann immer es die Umstände erlaubten, fördernd zuwandte.

Die Gründung der StudienHilfe

1986 gründete Ghiga von Smiechowska in München zusammen mit dem Schweizer Waldorfvater Herbert A. Burgert einen Stipendienfonds zur Unterstützung angehender Waldorfklassenlehrer. Die Einrichtung, die später den Namen StudienHilfe erhielt, leitete sie von da an über drei Jahrzehnte – zunächst in München, ab 1994 in Marquartstein.

Die Arbeit der StudienHilfe ging für Ghiga von Smiechowska über die bloße Vergabe von Stipendien hinaus. Sie beriet Stipendiaten persönlich, gründete Studentengruppen und stand Waldorfschulen und anthroposophischen Initiativen als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Mit ihrer Menschenkenntnis und Geschäftstüchtigkeit baute sie einen Kreis von Förderern auf, der die Arbeit der StudienHilfe bis heute trägt.

Im Laufe der Jahre flossen durch die StudienHilfe mehrere Millionen Euro an Stipendiengeldern. Auswertungen zeigen, dass über neunzig Prozent der Geförderten innerhalb von zehn Jahren nach Ende der Förderung tatsächlich als Lehrerinnen und Lehrer tätig waren.

Kulturelle Projekte

Neben ihrer Arbeit für die StudienHilfe initiierte Ghiga von Smiechowska mehrere kulturelle Großprojekte. Nach der politischen Wende in Osteuropa organisierte sie Kulturfestivals in Prag (1999) und Krakau (2004), die Brücken zwischen Ost und West schlagen sollten. 2016 veranstaltete sie in Marquartstein die Herbsttage unter dem Motto „Menschen, Tiere und die Zukunft der Erde“.

Weitergabe der StudienHilfe

Vor ihrem Tode im Jahre 2017 übergab Ghiga von Smiechowska die Leitung der StudienHilfe an ihren Sohn Christoph von Zastrow, der die Arbeit in der GinkgoStiftung fortführt. Ihre Tochter Danuta Swamy von Zastrow wurde Eurythmistin und gründete 2012 in Hamburg das Eurythmietheater Compagnie Orval, das sie seither als künstlerische Leiterin führt. Das Tourneetheater gastiert mit seinen Märchenproduktionen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und weiteren Ländern.